Mein Chef nimmt mich nicht ernst!

Gestern erreichte mich eine Mail und ich möchte dazu einen Blogartikel schreiben, weil ich das Thema so oft höre und sicherlich die ein oder andere meiner Leserinnen (ihr Lieben) auch das Problem hat.

„Liebe Nicole, … mein Chef nimmt mich einfach nicht ernst! Egal was ich an Vorschlägen bringe, er hört mir irgendwie nicht zu. Wenn ich ihm etwas zu einem Thema vorbereite, lässt er immer noch einen anderen Kollegen drüber sehen, oder nickt es einfach nur ab um es weiterhin zu ignorieren. Und in Meetings ist es schon wieder vorgekommen, dass ich etwas sage und keiner reagiert. Wenn aber ein paar Minuten später der Kollege das exakt gleiche Argument anbringt, dann heißt es „Guter Ansatz, Herr XY“.  Was soll ich machen?

Was kann ich machen um ernst genommen zu werden?

Du willst ernst genommen werden – das hast du auch verdient! Aber du kannst die anderen Menschen nicht ändern. Alles was du tun kannst ist dich selbst bzw. dein Verhalten zu ändern.

Erst einmal solltest Du herausfinden, warum du nicht ernst genommen wirst. Ist es dein Auftreten? Deine Stimme? Oder deine (wenige) Berufserfahrung? Oder ist der Chef eher von Männern überzeugt, so aus Prinzip ist das Unternehmen eher männerdominiert?

Warum werde ich nicht ernst genommen?

Dein Auftreten

Hier ist ganz klar eines der Argumente „Kleider machen Leute“. So blöd das klingt. Aber ich selbst hatte eine Kollegin, die war mir damals in der Aufgabe gleichgestellt und wurde weniger ernst genommen als ich. Warum? Weil allein ihre Kleidung aussagte, dass ihr das Ganze nicht wichtig war. Häh? Leggins und Sportschuhe gehören nicht unbedingt ins Büro. Vor allem dann nicht, wenn wichtige Gespräche anstehen oder man sich „seriöser“ sichtbar machen möchte. Es heißt nicht umsonst: „Du sollst dich so kleiden, als hättest du schon den Job den du möchtest“.

Muss ich jetzt aufgetakelt und mit Markenkostüm ins Büro?

Nein. Aber ein gewisses Maß an passender Kleidung sollte es schon sein. Denn wir wirken dadurch. Und während Männer es da irgendwie einfacher haben, wird bei uns Frauen einfach vorausgesetzt, dass wir uns mehr Gedanken zu unserer Kleidung machen.

Deine Stimme

Wie verhält es sich mit deiner Stimme, wenn Du deine Argumente gegenüber deinem Chef vorbringst? Sprichst du leise, so dass er dich kaum hört und wahrnimmt? Wird deine Stimme piepsig, wie bei einer scheuen Maus?

Egal wie. Du kannst deine Stimme trainieren und festigen.

Übe, egal wo und wenn es im Auto ist, wie du deinem Chef etwas vorträgst. Wie du ihn von deiner Arbeit überzeugst. Versuche dabei mit fester, lauter Stimme zu sprechen. Und eher langsam und bedächtig. Denn das vermittelt dem Gegenüber du hättest viel Zeit und Geduld. Und macht viel mehr Eindruck, als ein schnell und hektisch vorgetragener Dialog von dir.

Deine Berufserfahrung

Ja, hier kannst du dich eigentlich nur durch Leistung hervortun. Wenn dir eine Aufgabe übertragen wird, z.B. eine Kampagne für Social Media zu erarbeiten, dann liefere brauchbare Ergebnisse. Dein Chef braucht kein DinA4 Blatt mit ein paar Stichworten drauf. Gib dem Ganzen Struktur. Ein schönes, ansprechendes Layout. Und dazu kannst du die Sache untergliedern und eine Spalte mit Deadlines oder ähnlichem anfügen. Zudem könntest du dir schon mal überlegen, wie viele Leute für die Durchführung gebraucht werden und dass es eine Person geben sollte, die das Projekt in der Hand hat. Wenn du dann deine Ergebnisse auch noch ansprechend präsentieren kannst, mit Beispielen „wie machen es andere Firmen“, dann kann deine Leistung nicht mehr übersehen werden!

Dann ist es egal, ob du wenig Berufserfahrung hast. Dein Chef wird sehen, dass du dich in Aufgaben reinkniest und du dir Gedanken machst, das Unternehmen voran zu bringen.

Nur Männer werden akzeptiert?

Ja, auch solche Chefs gibt es. Das kann man als Frau hinnehmen und sich klein machen. Oder man fängt an mitzuspielen.

Eine Möglichkeit ist es, für deine Projekte einzustehen. Zu 100% hinter deiner Leistung zu stehen und diese auch zu kommunizieren. Denn, wie machen es Männer?

Sie tun meist nicht viel mehr wie wir Frauen, aber sie reden darüber. Und zwar immer mit „Ich habe das Projekt vor dem Scheitern gerettet“. Frauen sagen hier meist: „Wir haben das Projekt zum Erfolg geführt“. Männern ist es egal, ob es das Team war oder ein einzelner aus dem Team. Wenn etwas in ihrem Umfeld gelungen ist, dann war es immer ihre eigene Leistung. Selten wird eine andere Person hervorgehoben und anstelle von ihnen gelobt.

Was machst du also demnächst, wenn du etwas gut gemacht hast?

„Ich habe es gut gemacht!!“ PUNKT.

Was du tun kannst um ernst genommen zu werden

Im Alltag das ein oder andere Mal übergangen zu werden ist normal. Das passiert häufig. Frauen und Männern. Nur reagieren wir Frauen meist ganz anders darauf und kommen uns deshalb so benachteiligt vor. Was kannst du aber nun tun, um eine solche Situation zu verhindern oder wenigstens für dich zu entscheiden?

Stell dich in den Vordergrund

Wenn du eigentlich im Fokus stehen solltest, dein Gegenüber dich aber einfach ignoriert, dann dränge dich in den Vordergrund. Ignoriere, dass er dich nicht ansieht und dich nicht anspricht – reagiere, als ob er genau das tut was er sollte „direkt mit dir sprechen“. Stelle dich deutlich als Ansprechpartner dar, antworte ihm bestimmt oder stelle ihm direkt eine Frage. Zur Not, falle ihm ins Wort und mach ihn so auf dich aufmerksam.

Sei selbstbewusst im Auftreten

Wenn du dich nicht selbst ernst nimmst, dann wird es auch kein anderer tun. Also nimm dich selbst wichtig und zeige deinem Umfeld, dass du eine Daseinsberechtigung hast. Stärke dein Selbstbewusstsein und dein selbstbewusstes Auftreten. Und das muss man üben. Nimm also die kleinen Momente wahr um zu üben, dann bist du bei den großen Situationen gewappnet und stärker im Umgang damit.

Deine Körperhaltung ist wichtig

Weißt du, dass deine Körperhaltung augenblicklich auch Einfluss auf dein Empfinden hat? Sieh dir hier ein Video dazu an.

Versuche deine Körperhaltung regelmäßig zu verbessern. Achte immer mal wieder darauf wie du sitzt und stehst und korrigiere deine Haltung. Ein fester Stand, nach hinten gezogene Schulterblätter, ein gerader Rücken und ein erhobener Kopf. Achte darauf, dass du dich nicht kleiner machst, wenn du mit jemandem sprichst, der größer ist als du. Tritt einfach einen Schritt zurück und richte dich noch ein wenig mehr auf.

Ruhig, aber bestimmt weitersprechen

Wenn dich jemand unterbricht, dann überprüfe deine Körperhaltung und sprich ruhig, aber bestimmt weiter. Es bringt nichts aufbrausend zu werden oder mit hängenden Schultern aufzugeben. Es ist durchaus okay zu sagen „Bitte lass mich das noch zu Ende führen“ oder ein klares „Ich bin noch nicht fertig“. Ein noch klareres „Stopp“ bringt dein Gegenüber aus dem Konzept und seine volle Aufmerksamkeit wieder auf dich.

Sollte er dann einfach weitersprechen gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du wartest bis er fertig ist und machst dann da weiter wo du aufgehört hast oder (für Mutige) du wendest dich einfach von ihm mit aufrechtem Gang / oder dein Gesicht von ihm, ab.

Sag deine Meinung

Der Kollege übergeht dich oder will deinen Auftrag als seinen verkaufen? Sag, was du davon hältst. Du kannst dich in solchen Situationen auch direkt an deinen Chef wenden und ihm sagen, dass du dich schon in das Thema eingearbeitet hast und dich schon drauf gefreut hast den Auftrag zu übernehmen. Erkläre ihm auch, warum du der Meinung bist, dass du es verdient hast.

Persönliche Kritik nicht anmerken lassen

So sehr dich die verbale Attacke auch getroffen hat, egal wie gemein und diskriminierend die Kritik war – lass es dir nicht anmerken, dass es dich persönlich sehr getroffen hat. Du machst dich damit kleiner als du bist. Steh über der Situation und versuche es außerhalb der aktuellen Situation zu klären. Wenn du ruhiger, weniger verletzlich und stärker deinen Standpunkt vertreten kannst.

HIER ZEIGE ICH DIR, wie du es schaffst über der Kritik zu stehen und sie nicht persönlich zu nehmen!

Stelle Fragen

Wer Fragen stellt, führt das Gespräch! Stelle Fragen, wenn es Sinn macht. Und wenn jemand die Frage beantwortet, wiederhole am besten die letzten Worte deines Gegenübers um deiner nächsten Frage noch mehr Sinn zu verleihen. Z.B. „Thomas in das Projekt einzuarbeiten ist meiner Meinung nach auch eine gute Idee. Wie wäre es wenn wir …?“.

So führst du das Gespräch auch in die Richtung, die dir passt und bist nicht nur passiv dabei – du wirst gesehen / gehört.

Rechtfertige dich niemals

Gut, das hört sich etwas hart an, aber es gehört zu einer der wichtigsten Regeln, wenn du ernst genommen werden willst. Männer rechtfertigen sich fast nie für irgendetwas! Egal, was dir vorgeworfen wird, versuche nicht dich zu rechtfertigen und eine Ausrede nach der anderen zu finden.

Was du in der Situation tun kannst um von deinem Chef ernst genommen zu werden?

Im Meeting (wenn der Kollege für „deine“ Aussage gelobt wird):

„Ja, Herr XY, das hatte ich ja auch eben angesprochen, dann sind wir uns ja alle einig, dass uns das wichtig ist. Und zudem schlage ich vor…“
„Ach, das ist ja lustig, Herr XY. Ich hatte gerade eben das Gleiche gesagt! Ist ja super, wenn wir uns da einig sind!“ Und du strahlst in die Runde.
„Danke, Herr XY, aber ich kann meine Vorschläge gut selbst vertreten!“

 

Erfolgreiche Männer machen das ganz automatisch von sich aus schon. Sie bekommen das Konkurrenzverhalten schon von Kind an antrainiert und lernen, dass sie keine Schwäche zeigen dürfen.

Das heißt nicht, dass wir Frauen die besseren Männer werden sollen!

Aber wenn du von deinem Chef ernst genommen werden möchtest, dann ist es nicht verkehrt dir von den „erfolgreichen“ Männern etwas abzugucken.

Du darfst immer noch Frau bleiben! Du musst nicht gewissenlos und hart werden, nur weil du meinst so ein besseres Standing im Unternehmen zu haben. Deine weibliche Seite ist wichtig – behalte sie bei. Nur die Verletzlichkeit und Zurückhaltung darfst du gern ein Mal zur Seite schieben um sichtbar zu werden und erfolgreich.

Und du?

Wist du auch oft übergangen, weil du eine Frau bist? Oder kennst du eine Frau, die diese Tipps gut gebrauchen könnte? Dann speichere dir diesen Artikel ab oder leite ihn ihr gleich weiter!

Welche Erfahrung hast du auf deinem Berufsweg gemacht? Schreibe mir, wie deine Erfahrungen sind – ein Kommentar oder per Mail. Ich freue mich!