mit Stimme mehr AufmerksamkeitFür alle die nicht täglich Vorträge halten oder schwierige Gespräche führen müssen… und für alle die sich in Gesprächsführung üben und richtig darauf vorbereiten wollen.

Stefanie hat letzte Nacht schlecht geschlafen. Sie hatte vor zwei Wochen einen Termin mit ihrem Chef ausgemacht. Sie möchte eine Gehaltserhöhung. Schon seit Monaten, eigentlich schon über ein Jahr, ist sie mit ihrem Gehalt unzufrieden. Vor kurzem hatte sie sich endlich dazu durchgerungen das Thema Gehaltserhöhung in Angriff zu nehmen. Endlich. Eine grobe Idee, wie die Gehaltserhöhung aussehen sollte, hatte sie. Den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und bei der Sekretärin wegen einem Termin anzurufen hatte dann noch weitere Tage Mut sammeln gekostet.

Heute war es so weit. In wenigen Minuten würde sie bei ihrem Chef im Büro sitzen und um eine Gehaltserhöhung bitten. Stefanies Nerven liegen blank. Sie weiß gar nicht wie sie sich beruhigen soll. Vorhin in der Kaffeeküche hatte sie ganz zittrige Hände als sie mit ihrer Kollegin über das Thema gesprochen hatte.

Mit flauem Gefühl im Magen und einem Kloß im Hals öffnet sie die Tür zum Büro ihres Chefs.

 

Katarina hatte sich gefreut als sie von ihrem Chef den Auftrag erhalten hatte sich um die Organisation der Messe für die Unternehmenskunden zu kümmern. Als sie aber erfuhr, dass sie auch die Eröffnungsrede des Events halten sollte, da wurde ihr fast schlecht. Sie musste da sofort an die Situation in ihrem Studium denken, als sie im Rhetorik-kurs die Präsentation vor ihren Studienkollegen halten musste. An das Getuschel in der letzten Bank. Die gelangweilten Gesichter in der ersten Reihe. Und wie sie sich beeilt hatte das Ganze hinter sich zu bringen. Natürlich hatte sie viel zu schnell geredet und wäre am liebsten im Erdboden versunken.

Damit ihr das nicht wieder passiert holt sich Katarina diesmal Hilfe. Im Internet erfährt sie, dass sich die meiste Nervosität durch die richtige Atemtechnik beseitigen lässt. Und sie übt sich anhand eines „Werkzeugkastens der Sprache“ mit ihrer Stimme zu spielen. Auch den Inhalt ihrer Rede überlässt sie nicht dem Zufall. Mit ihrer Beraterin lässt sie sich einiges einfallen um die Rede interessant zu gestalten.

Es geht nicht nur um den Inhalt deiner Aussagen

Was ist wichtiger? Das was Du tatsächlich sagst oder das was deine Körpersprache, Tonlage, Stimmfarbe und deine Reaktion auf dein Gegenüber aussagt?

Der Inhalt ist nicht das auf das es wirklich ankommt. Natürlich muss der Inhalt einer Präsentation korrekt und gut verständlich aufbereitet sein. Aber auf was kommt es bei einer Präsentation, einem Gehaltsgespräch und auch bei einer Eröffnungsrede wirklich an?

Dass Du dein Gegenüber fesselst.

Nicht mit einem Strick und Knebel. Sondern mit deinen Worten. Mit deiner bildhaften Sprache. Deiner Körpersprache, welche jede deiner Aussagen unterstreicht. Deine Stimmfarbe und Tonlage mit der Du überzeugend deine Argumente für eine Gehaltserhöhung darlegst.

Du kannst deinen Zuschauern und Hörern mit Infos bombardieren. Es wird dir nichts nützen, wenn sie dir schon nach 3 Minuten (und glaub mir, wenn Du sie da nicht gepackt hast, hast Du fast schon verloren) nicht mehr folgen. Ihre Gedanken schweifen ab. Was der in der Reihe vor ihm auf dem Handy tippt ist viel spannender oder er greift gleich selbst zum Smartphone und schaut auf spiegel online nach den neuesten Nachrichten.

Dein Gegenüber ist wichtig. Du willst ihm eine Botschaft übermitteln. Was also kannst Du tun um ein Abschweifen zu vermeiden?

Werkzeugkasten der Sprache (nach Julian Treasure)

Nutze den Werkzeugkasten der Sprache. Mit deiner Stimme hast Du etwas Wundervolles geschenkt bekommen mit dem Du dich ausdrücken kannst. Mit deiner Stimme bist Du ausdrucksfähig. Klar, wir haben gelernt, dass Körpersprache (Körpersprache ist eine Form der nonverbalen Kommunikation, die sich in Form von Gestik, Mimik, Habitus und anderen bewussten oder unbewussten Äußerungen des menschlichen Körpers ausdrückt) wichtig ist.

Allerdings möchtest Du ja nicht nur mit deinem Körper „reden“, sondern hast etwas mitzuteilen, das mehr ins Detail geht. Und beim Sprechen beeinflusst Du dein Gegenüber hauptsächlich mit deiner Stimme. Der Stimmlage, der Satzmelodie oder auch mit deinem Sprechtempo. Die folgenden 6 Punkte solltest Du dir ansehen und dich in der Umsetzung trainieren.

Unterstütze das gesprochene Wort mit dem Werkzeugkasten der Sprache. Nutze alle Möglichkeiten, welche dir zur Verfügung stehen.

Fessle deine Zuhörer. Mach auf dich aufmerksam. Gib den Informationen, welche Du weitergibst, das Gewicht, welches sie benötigen. Überbrücke die Distanz zwischen dir und deinen Zuhörern. Setze deine Forderungen, durch kompetentes (kompetent wirkendes) Auftreten durch.

Trainiere deine Stimme

1. Stimmlage

– Eine tiefere Stimme. Eine zu piepsende und hohe Stimmlage ist unangenehm für den Zuhörer. Versuche nicht nasal zu reden. Auch nicht vom Kehlkopf aus (hier sprechen wir meist sehr gepresst). Deine Stimme sollte aus dem Brustkorb kommen. Tief, angenehm und nicht gepresst.

– Eine tiefe Stimme verknüpfen wir mit Stärke und Autorität.

2. Klangfarbe

– Sanft und warm soll unsere Stimme sein. Es ist kein Weltuntergang, wenn es bei dir nicht so ist. Ein Voicecoach kann dir spezielle Übungen zeigen. Es ist möglich durch Atemtechnik und Körperhaltung sich eine volle, warme und sanfte Stimme anzutrainieren.

3. Satzmelodie und Silbenbetonung

– Vermeide monotones Reden. Lerne deine Sätze zu singen. Es ist der Singsang der deine Aussagen unterstreicht. Versuche die einzelnen Worte mit unterschiedlicher Betonung zu unterstreichen.

– Monotone Reden machen es schwer zuzuhören.

– Betone die Silben der einzelnen Worte so wie Du sie die passende Aussage bilden.

4. Sprechtempo

– Variiere dein Sprechtempo.

– Passe die Sprechgeschwindigkeit deiner Aussage an.

– Du kannst etwas sehr schnell sagen. Oder sehr langsam – um etwas in seiner Wichtigkeit zu unterstreichen.

– Allgemein zu schnell zu sprechen ist mühsam für den Zuhörer. Langsames sprechen erhöht die Aufmerksamkeit.

– Stille. Ein paar (Milli-)Sekunden Stille an der richtigen Stelle, lenken die Aufmerksamkeit deiner Zuhörer wieder auf dich und deine Aussage. Ohhm und ähm sind unnötige Lückenfüller.

5. Tonhöhe

– Variiere die Tonhöhe.

– In unterschiedlicher Tonhöhe gesagte Sätze können beim Zuhörer unterschiedliche Assoziationen auslösen.

6. Stimmvolumen

– Passe die Lautstärke deiner Aussage an.

– Wecke die erste Reihe mit einer lauten Aussage auf.

– Fessle deine Zuhörer indem Du immer leiser wirst gegen Ende des Satzes.

Warum und wozu?

Auch im Alltag wird sich deine Kommunikation erheblich verbessern. Du wirst sehen, dass dein Gegenüber dir viel lieber zuhören wird. Dass Du besser verstanden wirst. Dass Du als Gesprächspartner interessanter wirst.

Eine gute Ausdrucksweise wird dir nicht nur in der Karriere zu einem höheren Ansehen verhelfen. Es wird deine Überzeugungskraft steigern und durch die gewonnenen positiven Erfahrungen auch ein gesteigertes Selbstbewusstsein.

Du tust also gut daran deine Stimme und Sprache täglich zu trainieren. Und zwar in all den genannten Varianten. Auch wenn Du der Meinung bist, im Augenblick ist das nicht nötig. Wir sprechen und verhandeln überall. Mit Kollegen, unseren Kindern, unseren Lebenspartnern, Freunden, Handwerkern, Verkäufern,… Dir hilft das im Privaten und auch im Berufsleben.

Mal brauchen wir sanftere Töne, mal Durchsetzungskraft. Da ist es gut zu wissen, dass man sich auf seine Stimme und deren Ausdruckskraft verlassen kann.