Wie du dein monatliches Einkommen steigerst, auch wenn dein Chef dir keine Gehaltserhöhung zahlen will!

In letzter Zeit wurde ich oft gefragt wie man sein Gehalt bestimmt, wenn man einen neuen Job sucht. Oder wie man seinen Chef am besten davon überzeugt, dass man mehr verdient als das derzeitige Gehalt. Meine Antwort darauf ist ganz unterschiedlich und kann je nach Situation komplett anders ausfallen.

Eines sage ich aber immer…

Dein Chef wird nicht ohne weiteres auf dich zukommen und dir eine Gehaltserhöhung anbieten!
Das musst du schon selbst anstoßen.

Vor etwas über einem Jahr war ich in einer denkbar schlechten Position um über mein Gehalt zu verhandeln. Ich kam gerade aus der Elternzeit zurück, nachdem ich ein Jahr daheim gewesen war. Dem Unternehmen ging es ganz ok. Nur an dem Standort an dem ich arbeitete war die Auftragslage noch dünner als bisher. Zudem wurde mein Aufgabenbereich nicht gerade mit Aufgaben überschüttet, was bedeutete dass ich ziemlich viel Leerlauf haben würde.
Wie gesagt, eine denkbar schlechte Ausgangsposition.

Dennoch habe ich mich mit dem Thema beschäftigt. Denn meine letzte Gehaltserhöhung lag schon ein paar Jahre zurück und allein durch die Inflation jedes Jahr weniger zu verdienen und trotzdem jährlich höhere Lebenshaltungskosten zu haben, das wollte ich einfach nicht hinnehmen.
Ich suchte also nach einer Möglichkeit, wie ich meinen Chef überzeugen konnte mir mehr Gehalt auszubezahlen.

Strategie zurechtlegen

Ohne Strategie in ein Gehaltsgespräch zu gehen ist vergebene Mühe. Ehrlich. Du kannst dir damit nur schaden. Denn wenn du nicht weißt, was du eigentlich willst (wie viel mehr Gehalt, warum sollte dir dein Chef mehr bezahlen, was gibt es für Alternativen zur „normalen“ Gehaltserhöhung) und wie du es möglicherweise bekommen kannst, dann lass es einfach.

Wie viel mehr möchtest du?

Wenn du schon Gehalt im Unternehmen verdienst, kannst du dich an folgenden Zahlen orientieren. Diese sind nicht in Stein gemeißelt sollen dich aber unterstützen deine Forderungen zu visualisieren.

3 bis 5 % jährlich sind ganz normal. Viele Tarifverträge haben eine solche Erhöhung als Standard. Auch wenn du außertariflich Gehalt verdienst, warum sollte das nicht drin sein?

Bis zu 10% ist eine gute bis sehr gute Gehaltserhöhung. Wenn du mit 10% in die Verhandlung gehst (wenn es dem Unternehmen gerade gut geht), dann hast du gute Chancen auch etwas in der Richtung als Gehaltserhöhung zu bekommen.

Du stellst dir eher 20% vor? Come on… Ehrlich? Siehst du das als realistisch an? Du hast also entweder die letzten Jahre und Monate in der völlig falschen Gehaltsstufe gearbeitet oder deine Aufgaben haben sich erheblich geändert.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Gespräch?

Der richtige Zeitpunkt ist jedenfalls nicht zwischen Tür und Angel und auch nicht bei der Tasse Kaffee im Pausenraum. Auch einfach ins Büro deines Chefs zu platzen mit der Forderung „ich möchte mehr Gehalt, oder ich gehe!“ ist definitiv nicht zielführend. Finde heraus wann dein Chef mal ein wenig Luft in seinem Terminkalender hat. Und dann ruf ihn an oder mache persönlich einen Termin mit ihm aus. Du musst es auch nicht Gehaltsverhandlung nennen. Sondern es ist besser, wenn du sagst, dass es sich um ein Leistungsgespräch deinerseits handelt.
Manche Chefs brauchen bei der Terminfindung etwas mehr Druck. Oft gibt es die Aussage, dass andere Themen gerade wichtiger sind und du wirst von Woche zu Monat vertröstet. Lass dich nicht abwimmeln und bleibe dran! Schließlich verlierst du mit jedem Tag, an dem das Gespräch nicht stattfindet, Geld.

Ein guter Zeitpunkt für ein Gehaltsgespräch ist dann, wenn du besonders gute Leistung zeigen konntest. Notiere dir hierzu die relevanten Fakten und mache direkt im Anschluss einen Termin beim Chef.

Was gibt es für Alternativen?

Sagen wir mal, du bekommst keine Gehaltserhöhung und möchtest trotzdem mehr auf deinem Konto haben. Suche nach Alternativen!
Steuerfreie Extras landen 1:1 auf deinem Konto. Das bedeutet, jeden Euro den dein Arbeitgeber zahlt kommt dir direkt zu Gute. Und was gibt es da zum Beispiel?

Kindergartenzuschuss oder Zuschuss zur Kinderbetreuung

Den habe ich bei meiner Verhandlung genutzt. Hier kannst du die Kosten für die Kinderbetreuung von deinem Arbeitgeber als Zuschuss zu deinem Gehalt bekommen. Mit einem Kind unter 6 Jahren konnte ich mir hier einen monatlichen Gehaltszuschuss verhandeln. Die Höchstgrenze sind meines Wissens nach zwei Drittel der Gesamtkosten und max. 4000,- € jährlich. Informiere dich, ob das für dich eine mögliche Alternative ist.

Essensgeld

Zuschüsse zur Verpflegung in Form von Restaurantschecks, Essensmarken ist der Klassiker unter den Gehaltsextras. Einen kleinen Teil (2,64 €) müssen die Mitarbeiter dabei von sich aus zahlen, den Rest kann der Arbeitgeber abgabenfrei beisteuern, solange der Zuschuss (3,10 €) nicht übersteigt. Das macht im Jahr etwa 800,- € aus.

Dienstwagen

Auch wenn du ihn mehr privat nutzen wirst. Wenn du die Möglichkeit hast einen Dienstwagen zu bekommen rechne dir durch, ob sich das für dich lohnen könnte. Der Arbeitgeber übernimmt die Anschaffungskosten, Versicherung, Benzin, Wartung und Reparaturen. Du als Mitarbeiter zahlst die Steuern und Sozialabgaben nur für den Teil, der für private Fahrten anfällt. Finanziell kann sich das für dich mit bis zu 15.000,-€ jährlich lohnen.

Jobticket

Du kommst täglich mit Bus und Bahn zur Arbeit? Dann frage deinen Chef doch nach der Übernahme der Fahrtkosten. Monatstickets oder Jahreskarten muss der Arbeitgeber nämlich nicht versteuern, solange der monatliche Zuschuss nicht die 44,-€ übersteigt.

Weiterbildung

Weiterbildung und Seminare die deinem Job entsprechen kann dein Arbeitgeber dir auch steuerfrei ermöglichen. Nicht nur du tust dann was für deine Karriere, sondern das Wissen welches du dir aneignest kommt auch dem Unternehmen zu Gute. Dies ist eine gute Möglichkeit der indirekten Gehaltserhöhung.

Wie habe ich es geschafft?

Trotz der schwierigen Auftragslage habe ich meinen Chef gleich zu Beginn um ein Gespräch gebeten. Damit der Termin baldmöglichst zustande kam musste ich dranbleiben und habe mich nicht vertrösten lassen. Eine „normale“ Gehaltserhöhung konnte er situationsbedingt nicht rechtfertigen. Daher habe ich ihm die Alternative des Kindergartenzuschusses vorgeschlagen. Da konnte ich etwa 160,-€ netto monatlich für mich rausschlagen.
Was bei der Verhandlung noch wichtig war…

Der Termin war im Juli. Und mein Chef meinte, er müsse das Ganze mal recherchieren und durchrechnen etc. und käme dann wieder auf mich zu. Ich habe ihn dann aber darauf festgelegt mir die Gehaltserhöhung rückwirkend zu diesem Gesprächstermin auszubezahlen. Das war auch gut so, denn sonst hätte ich zwei weitere Monate Geld „verloren“!