Seite auswählen

Ich hatte jahrelang meine Gefühle unterdrückt. Vielleicht sogar Jahrzehnte, wenn ich jetzt genauer darüber nachdenke…

Es fing eigentlich schon damit an, dass meine Oma mich die ersten beiden Jahre meines Lebens großgezogen hat. Meine Mutter war mehr oder weniger alleinerziehend und so musste sie Geld verdienen, während meine Oma auf ich aufpasste. Das Problem bei der Sache war… Meine Oma war dadurch meine erste Bezugsperson und meine Mutter war sowohl auf ihre Mutter als auch auf mich sauer, weil wir ein so gutes Verhältnis zueinander hatten (und sie sich dadurch noch schlechter fühlte). Unterbewusst oder auch teils bewusst muss ich das immer schon gefühlt haben und so unterdrückte ich meine Gefühle (die Liebe zu meiner Oma) um nicht noch mehr zwischen die Fronten zu geraten.

Später machte ich weitere Erfahrungen die mich dazu brachten meine Gefühle zu unterdrücken oder den Schmerz in mir mit mir selbst auszumachen.

Das ging sogar so weit, dass ich in meiner Ehe erst mal lange nicht wusste wie ich meine Gefühle äußern sollte und ich dadurch sogar körperliche Schmerzen erlitt, wenn ich sah wie sehr meine Kinder unter bestimmten Situationen litten. Verzweifelt wie ich war sagte ich erst leise etwas dazu. Dann fing ich an zu schreien. Als auch das nicht half, schwieg ich. Lange. Und erst als mein innerer Schmerz noch größer war, als das Außen, da machte ich Schluss – mit allem. Ich hielt meine Gefühle nicht mehr aus, die mir deutlich aufzeigten, dass hier Schluss für mich war.


Wie du deine Gefühle wieder spürst und annehmen kannst

Ich habe lange gebraucht um meine Gefühle wieder zu spüren. Wenn ich ehrlich bin, bin ich noch lange nicht so, dass ich meine Gefühle komplett zulassen und annehmen kann. Wie ich leidvoll erfahren musste, ist es verkehrt seine Gefühle zu unterdrücken und still zu leiden.

Spüre dich wieder

Du hast die ganze Zeit Gefühle. Manche davon spürst du nicht so deutlich wie andere. Aber es gibt immer ein Gefühl, welches dich begleitet. Das kann Zorn, Wut, Frustration oder eben auch Gelassenheit, Freude oder Liebe sein.

Wieder mit dir in Kontakt zu kommen und die Gefühle aktiv zu spüren ist der erste Schritt um zu heilen.

Das Annehmen deiner Gefühle

Wir alle denken, dass es doch einfach sein sollte seine Gefühle annehmen zu können, wenn es sich um Freude oder Liebe handelt. Das mag sein. Aber im Eigentlichen sollten wir gerade die nicht ganz so freudigen Gefühle annehmen und akzeptieren, dass sie da sind. Diese Gefühle wollen gesehen werden. Damit meine ich nicht „tief durchlebt“ oder dass Du jetzt durch das „Tal der Tränen“ gehen musst. Wichtig ist, dass du dir bewusst bist was genau du fühlst und dass du es nicht einfach wegschiebst oder ignorierst oder wütend dagegen angehst. Nimm dieses Gefühl, dass dich da gerade besucht wahr und nimm es an.

Ein Beispiel dazu: Ich bin heute morgen ziemlich durch den Wind gewesen, als mein kleiner Sohn sich nicht anziehen lies, nicht zügig gefrühstückt hat und dabei noch ein riesen Terz veranstaltete. Nicht mein Sohn allein hat mich auf die Palme gebracht, eher mein Ex-Mann, der gemütlich auf dem Sofa sein Kaffee schlürft, während ich zum wiederholten Male ausrufe, dass Sohn sich doch bitte anziehen soll (gerne auch mit meiner Hilfe), weil ich doch dringend ins Büro sollte. Meine Gefühlswelt war in Aufruhr: Verzweiflung, weil Sohn sich nicht mit irgendwas überreden lies. Überforderung, weil der Job dann doch einen kleinen Spagat von privat zu beruflich bedeutet. Wut, weil Ex-Mann sich einfach ruhig zurücklehnt und dem Schauspiel zusieht. Traurigkeit, weil Ex-Mann schon letzte Woche und auch ab kommenden Wochenende allein in Urlaub fährt und ich dann nochmal die Kinder allein versorgen darf.

Das ist ein ganz schön großes Chaos in mir gewesen. Was darin endete, dass ich Tränen verdrückend meinen Ex-Mann angemault hab und erst ziemlich unwirsch, dann aber wieder liebevoll zu meinem Sohn war.

Was habe ich dagegen getan?

Nichts. Also, nichts dagegen zumindest. Ich habe reflektiert. Ich habe meine Gefühle gespürt und auch geäußert (auch in einem nachgelagerten Telefonat mit Ex-Mann). Die Gefühle habe ich angenommen und nicht weggeschoben. Es ist einfach nun mal eine Überforderung da. Nicht groß, aber sie ist da. Somit habe ich diese Gefühle akzeptiert.

Und was ist dann passiert?

Ich konnte in Ruhe darüber nachdenken, was mich eigentlich gerade so in Stress geraten lies. Da kamen Dinge wie:

„Ich muss alles allein schaffen“ | „Mein Ex-Mann sollte mich besser unterstützen“ | „Ich muss das morgens noch besser organisieren“ | „Mein Sohn sollte nicht so und so sein“ | „Ich bin keine gute Mutter“ | „Niemand sieht wie viel ich eigentlich leiste“ | …


THE WORK – negative Gefühle einfach auflösen

Ich hab dann ganz schnell gemerkt, als ich so drüber nachdachte, dass viele der Vorwürfe die ich mir und anderen machte, einfach schlichtweg Bullshit waren… Und zwar stellte ich mir ganz simpel die 4 Fragen von The Work:

  1. Ist das wahr?
    • dass ich alles alleine schaffen muss
    • dass mein Ex-Mann mich besser unterstützen sollte
    • dass ich keine gute Mutter bin
    • dass niemand sieht, wie viel ich eigentlich leiste
  2. Kann ich absolut sicher sein, dass es wahr ist?
  3. Wie reagiere ich, wenn ich diesen Gedanken glaube?
    • ich reagiere mit Überforderung
    • ich werde sauer und wütend auf meinen Ex-Mann
    • ich werde so traurig, dass mein Herz zerspringen möchte
    • ich fühle mich klein und wertlos
  4. Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?
    • ich könnte leichter durchs Leben gehen, weil ich drauf vertrauen würde, dass ich Unterstützung / Hilfe habe
    • ich könnte das Verhalten meines Ex-Mannes als das ansehen was es ist, die Anerkennung meines Umgangs mit dem Sohn – ohne Einmischung meines Ex-Manns
    • ich würde anerkennen was ich alles für meine Kinder tue und wie sehr sie mich lieben
    • ich würde mich jeden Tag dafür feiern, was ich alles unter einen Hut bringe und wie sehr mir mein Leben dabei noch Freude bringen kann

Allein diese 4 Fragen, und da habe ich noch nicht mal richtig THE WORK angewendet, haben mir geholfen aus dem verzweifelten und negativen Gefühl rauszukommen. Mich nicht davon runterziehen zu lassen, sondern gleich zu Beginn die stressigen Gedanken und Gefühle zu sehen, anzuerkennen und dann aufzulösen – weil sie schlicht und einfach nicht wahr sind.

%d Bloggern gefällt das: