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    Wir können zwar liebend und bewundernd an andere denken, meist verurteilen wir aber und werten andere ab. Je nachdem wie wir vom anderen denken und was genau können dadurch bei uns auch gute oder schlechte Gefühle aufkommen.  

    Der Nachbar fährt mit seinem Auto direkt vor die Türe und lädt aus, kann der nicht die 5 Meter laufen? Wer mäht denn an einem sonnigen Samstagmorgen den Rasen, hat derjenige nichts Besseres zu tun? Die Miete meiner Freundin wurde erhöht, was für ein geldgieriger Vermieter. In der Bar begegnest du einer jungen Frau, die sich in unseren Augen zu sehr geschminkt hat, und du drehst dich lästernd zu deiner Freundin um.

    Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind. Wir bewerten, noch bevor wir alle Informationen zu der Situation oder der Person haben. In dem Moment halten wir uns für etwas Besseres. Wenn wir ein Urteil über andere fällen – sie für weniger wert halten, meinen wir indirekt unseren eigenen Wert zu erhöhen. Wenn du also über deinen Kollegen schlecht denkst, weil er schon so früh von der Arbeit nach Hause geht, bewertest du dich als besser, weil du ja viel mehr Arbeitseinsatz zeigst. Das wirst du nicht mal böse meinen. Diese Bewertung zeigt aber, dass du das Bedürfnis hast, dein Selbstbild aufzupolieren. Der Grund dahinter ist ganz einfach: in dem Moment hast du wohl selbst keine so gute Meinung von dir!

    ÜBUNG: Was denkst du negativ über andere, was dich aber gleichzeitig besser dastehen lässt, weil du dich ja nicht so verhältst…

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    Wenn wir uns lieben würden, könnten wir den anderen so sein lassen, wie er ist. Es wäre seine Angelegenheit (wann er den Rasen mäht, ob er die Miete erhöht oder sie sich schminkt) und wir würden gar nicht darauf reagieren. Es hätte nichts mit uns zu tun.

    Außerdem zeigt uns das was uns am anderen stört auch auf, was uns an uns selbst stört. Das kann ein bestimmtes Verhalten sein, das wir eigentlich auch haben und wir an uns selbst schon verurteilen. Es kann aber auch sein, dass eigentlich eine Portion Neid dahintersteckt, weil wir uns (im Moment) nicht trauen so auffällig unterwegs zu sein.

    ÜBUNG: Was denkst du über andere, was du bei dir selbst auch verurteilst / dir nicht zugestehst.

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    Wenn du also das nächste Mal merkst, dass du jemanden für sein Verhalten oder sein Äußeres verurteilst, dann überlege dir mal, …

    • ob du vielleicht gerade das Bedürfnis hast dich besser darzustellen
    • oder ob du nicht genau diesen Teil (den du gerade schlecht redest) auch in dir trägst und bisher immer fleißig verdrängt hast
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