Der richtige Umgang mit schwierigen Kollegen – für ein besseres Betriebsklima

Auch wenn Kollegen Ihnen schwierig erscheinen: Hand auf Herz – Jeder ist doch mal kompliziert. Versuche daher zu verstehen, wie deine Kollegen ticken und wende die dazu passenden Tipps an. Ich zeige dir, wie es geht.

1. Konfliktmanagement

Gibt es Probleme, die offensichtlich sind? Rede einfach mit deinen Kollegen. Oft können daher auch Gespräche und gemeinsam erarbeitete Lösungsansätze beiden Seiten aus der Sackgasse helfen. Es hilft dir auch deine/n Kollegen/Kollegin besser zu verstehen. Du kannst deren Handeln nachvollziehen und wirst dadurch die Möglichkeit haben besser damit umgehen zu können.
Konflikte, welche nie angesprochen werden, machen dich nur unglücklich. Du suchst verzweifelt nach einer Lösung oder denkst dir Sachen aus, warum dein Gegenüber so reagiert wie er es tut. Du weißt aber nicht, warum die Dinge geschehen. Das bedeutet für dich auch, dass Du oft unvorbereitet in diese unangenehmen Situationen läufst. Oder in Fettnäpfchen trittst, welche Du vermeiden könntest – wenn Du wüsstest woran es liegt.

Sollte es dir in irgendeiner Weise möglich sein über den Konflikt in einer neutralen Umgebung zu reden, dann spring über deinen Schatten und sprich die Sache an. Am Besten wendest Du dazu Tipp 2 an!

2. Sachlich mit dem Kollegen reden

Mach deinen Kollegen keine Vorwürfe wie: „Du hast aber …“, sondern formuliere Ich-Botschaften und sagen Sie klar, wie Sie sich fühlen, etwa: „Ich habe mich durch ihren Ausbruch angegriffen und verletzt gefühlt.“ So vermeidest Du, dass sich dein Gegenüber angegriffen fühlt und sofort in Verteidigungsposition übergeht (oder sich dir gar komplett verschließt!).

3. Gefühlsduselei umschiffen

Du willst einen Kollegen kritisieren, aber der bricht plötzlich in Tränen aus? Gib deinem Gegenüber Zeit sich zu beruhigen und warte schweigend ab. Frage dich selbst, ob Du zu direkt warst mit deiner Aussage. Falls nicht, fahre in der sachlichen Erläuterung deiner Kritik fort.

Lass dich aber nicht von den Tränen abschrecken. Dir ist die Kritik, welche Du äußern möchtest, wichtig. Daher lass dich nicht davon abhalten diese sachlich zu äußern. Du kannst, wenn es gar nicht weiter geht, auch sagen, dass Du zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit dem Thema auf diese Person zukommen wirst.

4. Gefühle von Kollegen immer ernst nehmen

Werte die Emotionen anderer auf keinen Fall ab, indem Du leichtfertig etwas sagst wie: „Nun seien Sie doch nicht so empfindlich, so schlimm ist es nun auch wieder nicht“ Jeder Mensch reagiert anders und hat ein Recht auf seine Empfindungen.
Besser ist es, wenn Du kurz auf die Emotionen eingehst, ohne dich lange daran aufhalten zu lassen. „Ich kann Sie verstehen, dass Sie meine Aussage jetzt etwas nachdenklich macht/beschäftigt/dass Sie so auf meine Aussage reagieren, dennoch…“

5. Die richtige Körperhaltung bei Konfrontationen

Nimm eine offene Körperhaltung ein und stehe oder sitze aufrecht, lass dabei die Arme locker hängen. Wichtig: Demonstriere dein Selbstbewusstsein. Halte unbedingt Blickkontakt, denn wenn Du die Augen niederschlägst, begibst Du dich automatisch in eine niedrigere Position.
Lass dich nicht unterkriegen.

Dennoch solltest Du es vermeiden, deine Zähne zusammenzubeißen oder die Fäuste zu ballen (auch unbewusst!). Sei bestimmt, aber versuche dabei locker zu bleiben.

6. Schwätzer abwimmeln

Du wirst stundenlang zugetextet, hast aber eigentlich gar keine Zeit (Lust)? Wenn Du nicht unfreundlich sein willst, dann vertröste den Schwätzer auf später. Vielleicht ist ein gemeinsames Mittagessen nicht falsch? Entweder ist bis dahin alles bereits vergessen und es erledigt sich von allein, oder in der etwas entspannteren Umgebung fühlst Du dich auch nicht mehr zugetextet und kannst das Gespräch auch etwas mehr genießen.

7. Nervige Kollegen ablenken

Dein Kollege geht dir auf die Nerven? Eine Möglichkeit: Beschäftige ihn freundlich, aber unauffällig mit Arbeit: „Könnten Sie mir einen großen Gefallen tun und mir Akte X aus dem Archiv holen?“

Eine andere Möglichkeit ist selbst den Raum zu verlassen oder Dir fällt gerade im Moment noch eine Sache ein, die Du dringend noch erledigen wolltest.

8. Angeber und Besserwisser loswerden

Manche Kollegen stellen ihr scheinbar großes Selbstbewusstsein zur Schau. In Wirklichkeit suchen sie Anerkennung. Gib ihnen ein wenig davon, nimm ihnen aber gleichzeitig Wind aus den Segeln: „Ja, ich finde auch, dass Sie Ihr letztes Projekt gut gemacht haben. Weiter so.“

9. Vorsicht bei persönlichen Problemen

Was tun, wenn ein Kollege dich mit persönlichen Problemen konfrontiert? Nimm ihn zwar ernst: „Ich kann nachvollziehen, dass Sie das sehr belastet, was Sie mir erzählt haben…“ Lass seine Probleme aber nicht an dich heran. Besser: Vermitteln Sie den Kontakt zu einem professionellen Helfer, und kehren Sie dann zu Ihrer Arbeit zurück: „…es tut mir wirklich leid, aber ein Profi kann Ihnen ohnehin viel besser helfen… ich muss jetzt unbedingt weiterarbeiten.“
Auch bei ständig wiederkehrender Konfrontation, bleibe distanziert. Nicht abweisend, aber distanziert. In den meisten Fällen wirst Du das Problem nicht lösen können. Und wenn dein Gegenüber jemanden zum Reden braucht, und Du ihm auch die Gelegenheit dazu geben möchtest, dann vereinbare eine bestimmte Zeit nach der Arbeit. Dann könnt ihr in Ruhe darüber reden. Das hilft meist mehr als im Büro zwischen Tür und Angel.

10. Wenn Kollegen Informationen zurückhalten

Manche Kollegen halten gerne Informationen zurück, um sie für ihre Arbeit alleine zu nutzen. Eine gute Methode, dennoch an die Informationen zu kommen: Stelle vor allen anderen Kollegen konkrete Fragen nach Informationen. Das setzt die Gegenseite unter Druck, ohne dass Du offensichtliche Anschuldigungen machen musst.

11. Schleimer in ihre Schranken weisen

Der „nette“ Kollege will sich auf deine Kosten vor dem Chef wieder einmal selbst ins rechte Licht rücken? Frage ihn doch einmal ganz direkt nach Details, die er nicht wissen kann. Und weise, in seiner Gegenwart, deinen Chef auf deine eigenen Erfolge hin.

Auch wenn Du im ersten Moment denkst, ach nicht so dramatisch… War ja nur eine kleine Sache. Dokumentiere in jedem Fall deine Erfolge und bringe sie beim nächsten Gespräch mit dem Chef zur Sprache. Du möchtest ja bei der nächsten Gehaltsverhandlung / Beförderung nicht übergangen werden.

12. Gib den schwarzen Peter zurück

Einige Kollegen können richtig unverschämt werden: „Das ist wieder mal einer Ihrer völlig undurchdachten Vorschläge. Man hat den Eindruck, Sie haben dem Chef nicht richtig zugehört.“ Verschwende keinen Gedanken an den Inhalt der Aussage, sondern kommentiere nur die Art des Angriffs – und zwar immer in der Wir-Form: „Ich möchte Sie bitten den Ton zu finden, der unserer Kultur entspricht“, „Dieser Tonfall ist nicht der Stil, den wir hier gewohnt sind. Würden Sie bitten sachlich zu bleiben, wie alle anderen“.

So lässt Du die Kritik außen vor und kritisierst nur den unverschämten Wortlaut oder die Tonlage. Sollte der Kollege dennoch Kritik äußern, kann er dies tun ohne persönlich beleidigend zu werden.

13. Unverschämte Kollegen in der Gruppe isolieren

„Wir kommen inhaltlich so zu keinem Ergebnis“, „Es ist im Sinne aller hier, dass wir zügig unsere Themen abhandeln“, „Wir alle wünschen uns eine effiziente Sitzung. Wir haben wichtigere Themen“ oder “Mit dieser Art verhindern Sie, dass wir hier weiterkommen.“ Damit isolierst Du den Kollegen in der Gruppe und – was für ihn schlimmer ist – lassen ihn vor dem Chef schlecht dastehen.

Dies solltest Du so aber nur anwenden, wenn wirklich nichts mehr voran geht und das Meeting / das Gespräch in einer Sackgasse zu enden droht.

14. Sich durch Nörgler nicht aus der Ruhe bringen lassen

Auch wenn es schwer fällt: Lass dich nicht von einem Nörgler aus der Ruhe bringen. Auf typischen Äußerungen wie „Das funktioniert doch nie“ entgegne doch mal etwas frech: „Warum nicht?“

15. Pessimisten widersprechen

Dein Kollege nervt mit seinem Pessimismus? Steh Du einfach voll zu deinem Optimismus: „Mit dieser Teamzusammenstellung/Organisation wird das nie klappen“ – „Doch, das wird es.“ Wenn nichts mehr hilft: Ignoriere den Kollegen einfach, denn letztendlich kannst Du es ihm nie recht machen.

16. Choleriker händeln

Dein Kollege flippt aus – was machst Du? Stell Dir vor, Du begutachtest als Regisseur einen Schauspieler beim Vorsprechen zum Thema Wutanfall. Oder: Konzentriere dich auf ein bestimmtes Detail – „Wenn die Ader rechts noch weiter anschwillt, platzt sie gleich…“.

Das sollte man nicht übertreiben. Lieber einfach den Raum verlassen. Und nicht auf dasselbe Niveau runterziehen lassen.

Fazit:

Cool bleiben

Kollege XY bringt dich gerade wieder zur Weißglut? Du bist kurz vorm Platzen und musst Du unbedingt Dampf ablassen. Tu es bitte nicht! Atme stattdessen tief durch und zähle innerlich bis zehn. Oder entschuldige dich kurz und trete irgendwo unbemerkt gegen einen Mülleimer –  wenn Du dich damit besser fühlst. Egal was Kollege XY sagt, nimm es nicht persönlich und fühle dich nicht angegriffen. Denn die Stresshormone in plötzlichen Konfliktsituationen legen das Gehirn lahm. Dein Unterbewusstsein übernimmt die Kontrolle und lässt dich Dinge sagen oder tun, welche deinem Widersacher eventuell in die Hände spielen. Das würdest Du bereuen.

Frage dich selbst

Manchmal steht man sich auch selbst im Weg. Hast Du dich aber mal gefragt, warum Du den Kollegen nicht ausstehen kannst? Vielleicht ist er nur anders wie Du – mit anderen Ansichten und Arbeitsweisen. Auch Neid ist eine häufige Ursache für Ablehnung. Vielleicht ist der Kollege in manchen Bereichen auch ein bisschen besser wie Du. Akzeptiere was Du an anderen nicht ändern kannst und achte mehr auf dein eigenes Verhalten. Das kannst Du ändern. Die andere Person nicht.

Nicht Lästern

Lästern tut gut, weil Du deinen gesamten Frust rauslassen kannst und von anderen deine eigene Meinung bestätigt werden kann. Trotzdem solltest Du nicht über andere lästern. Wenn Du dich andauernd über andere beschwert oder lustig macht, wirst Du schnell selbst angreifbar. Und lästern hilft überhaupt nicht eine konfliktbeladene Situation zu entschärfen. Es stört das Betriebsklima und verhärtet die Fronten. Wenn Du verbal Dampf ablassen musst, dann lieber in deinem Privatumfeld und nicht im Büro.